Beschlussentwurf:

Auf Grundlage des Beschlusses „Grundlagen für die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes 2035“ (DS.:21-26/0958) sowie der ersten Sitzung der Steuerungsgruppe Mobilitätskonzept am 30.10.2025 hat das Ingenieurbüro Sweco GmbH einen Analysebericht (Version 1) sowie ein Leitbild für das Mobilitätskonzept erarbeitet. Der Bericht enthält zentrale Ergebnisse zur Ausgangslage und Entwicklungsperspektive der Mobilität in Friedberg und bildet die Grundlage für die weitere Bearbeitung des Mobilitätskonzeptes. Das Leitbild definiert die strategischen Ziele, an denen sich die Maßnahmen des Mobilitätskonzeptes orientieren sollen.

Der Magistrat der Stadt Friedberg beschließt:

·         Der Analysebericht Version 1 (Anlage 1) wird zur Kenntnis genommen. Die darin enthaltenen Ergebnisse werden als Grundlage für die weitere Bearbeitung des Mobilitätskonzeptes bestätigt.

·         Das Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen wird beauftragt, die Maßnahmen für das Mobilitätskonzeptes auf Grundlage folgenden Leitbildes zu erstellen:

Friedbergs zukünftige Mobilität verfolgt in allen Dimensionen das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Im sozialen Sinne ist die Mobilität fair und inklusiv, sodass alle Menschen gleichermaßen teilhaben können. Zugleich unterstützt sie im ökologischen Sinne die klima- und gesundheitsfreundliche Entwicklung der Stadt und ist im ökonomischen Sinne wirtschaftlich und unterstützend für den Wirtschaftsstandort. Übergreifend tragen digitale, vernetzte und intelligente Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung bei. So entsteht ein Mobilitätssystem, in dem alle Menschen ihre Ziele sicher und zuverlässig erreichen.


Sach- und Rechtslage:

Analysebericht:

Der Analysebericht basiert auf den verschiedenen Zählungen und Messungen, die im Laufe des Jahres 2025 durchgeführt wurden, darunterfallen:

-          20 Zählstellen zur Aufnahme des Lkw-, Pkw-, Fahrrad- und Fußgängerverkehrs

-          Datenauswertung mit anonymisierten Standort- und Geschwindigkeitsdaten (Floating Car Data) vom Anbieter „TomTom“ zur Analyse von Durchschnittsgeschwindigkeiten, Bewegungsmustern, Durchgangsverkehren und Quell-Ziel-Beziehungen im Stadtgebiet

-          Die Analyse von insgesamt rund 800 Kfz-Stellplätzen, die sich entlang der Kaiserstraße sowie auf dem Diffenbach-, Stadthallen-, Sparkassen-, Konrad-Adenauer-, Stadtkirchen- und Burgfeldparkplatz befinden. Darüber hinaus wurden auch die Stellflächen im Bereich der Burg sowie die Parkplätze am Bahnhof berücksichtigt. Ziel der Untersuchung war die Auswertung über die Auslastung und die durchschnittliche Nutzungsdauer. Ergänzend wurden vorliegende Daten des Cityparkhauses in die Analyse einbezogen.

-          Zählung der Mitfahrenden in allen Buslinien (11 Linien) einschließlich einer Befragung der Fahrgäste

-          Fahrgastbefragungen an den Bushaltestellen Kaiserstraße und Bahnhof

-          Betriebsbefragung zur Mobilität bei Fresenius, Pegasus, Gesundheitszentrum Wetterau, Stadtverwaltung Friedberg, Stadtwerke Friedberg sowie das Einbinden der bereits vorhandenen Mobilitätskonzepte der THM Friedberg und des Wetteraukreis

Durchführen von Planungsgesprächen mit Interessensvertretern (Innovationsquartier Kaiserstraße, ADFC, VCD) und Ämtern / Funktionen der Stadt Friedberg (Klimaschutzmanagement, Ordnungsamt und Straßenverkehrsbehörde)

Der Analysebericht in seiner jetzigen Form stellt dabei die erste Version dar (vgl. Anlage 1: SUMP-Friedberg-Bericht_Analyseergebnisse_V1). Der Bericht wird bis zur Finalisierung des Konzeptes weiter qualifiziert.

Leitbild

Die Erstellung eines Leitbildes in einer Kooperation mit der Politik und zentralen weiteren Stakeholdern ist ein wesentlicher Baustein im Prozess zur Aufstellung des Möbilitätskonzeptes. Dabei soll das Leitbild vorgeben, in welche Richtung sich das Mobilitätsverhalten für die nächsten 10 Jahre entwickeln soll (vgl. Anlage 2: SUMP-Friedberg_Leitbild_Leitziele).

Um hier die Politik sowie Beiräte, Kitas, Schulen, aber auch die Bevölkerung besser zu Beteiligen wurde die Steuerungsgruppe einberufen. Hierbei war es wichtig, dass die Steuerungsgruppe ein Querschnitt der Gesellschaft sowie der Altersstufen darstellt.

Für die Steuerungsgruppe wurden folgenden Akteuren eingeladen:

·         Vertreter:in Fraktion Bündnis 90 die Grünen

·         Handwerkskammer (Abwesend)

·         Ehrenamtsbüro

·         Vertreter:in Fraktion SPD

·         Seniorenbeirat

·         Ausländerbeirat

·         Vertreter:in Fraktion CDU

·         Jungendrat

·         Tiefbauabteilung

·         Vertreter:in Fraktion Linke

·         Schulelternbeirat

·         Mobilitätsmanagement

·         Vertreter:in Fraktion FDP (Abwesend)

·         AStA der THM

·         Integrationsbüro

·         Vertreter:in Fraktion FW-UWG (Abwesend)

·         IHK Gießen Friedberg

·         Sweco GmbH

·         Kita-Stadtelternbeirat

·         Kreisschulsprecherin Wetterau

·         Amtsleitung Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen

Die Einladungen zur Steuerungsgruppe wurde am 29.09.2025 über das Gremienbüro an alle Fraktionsvorsitzenden, sowie an den Ausländer- und Seniorenbeirat sowie über das Mobilitätsmanagement an die restlichen Akteure verschickt.

Die Rolle der Steuerungsgruppe

·         Die Steuerungsgruppe vertritt die unterschiedlichen Perspektiven der Stadtgesellschaft.

·         Sie hat ein Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht. Sie bespricht Ergebnisse, diskutiert und feinjustiert.

·         Sie kommt dreimal im Prozessverlauf zusammen: 1. Bestandsanalyse, Szenarien und Leitbild; 2. Maßnahmen; 3.Finalisierung und Priorisierung.

Die 1. Sitzung der Steuerungsgruppe bot Vertreterinnen und Vertretern unterschiedlicher Nutzergruppen die Möglichkeit, ihre Gedanken und Anregungen zu den Analyseergebnissen aus der ersten Phase des SUMP-Prozesses zu äußern („Wo stehen wir?“).

Im zweiten Teil der 1. Sitzung konnten die Interessensvertreterinnen und -vertreter an der Leitbild- und Leitzielentwicklung des SUMP-Prozesses mitarbeiten. Leitbild und Leitziele zählen neben den Szenarien, Indikatoren und messbaren Zielen zur Phase der Strategieentwicklung („Wo wollen wir hin?“). Sie dienen als Leitfaden für die Planung der Mobilität der nächsten zehn Jahre. Aufgeteilt in vier Diskussionsrunden haben die Teilnehmenden zunächst zentrale Themen in einem Brainstorming gesammelt, die für die ideale zukünftige Mobilität in Friedberg von Bedeutung sind. In einem zweiten Schritt wurden die Ergebnisse kategorisiert und entsprechende Oberthemen definiert. Nach einem Rundgang zu den Plakaten der anderen Diskussionsrunden erfolgte die Definition der wichtigsten Oberthemen je Diskussionsrunde. Der Workshop schloss mit einer Bewertung der Oberthemen aller Diskussionsrunden ab.

Folgende zentrale Oberthemen wurden definiert und mit Punkten bewertet:

Abbildung 1: Bewertung der zentralen Oberthemen

Leitbild

„Friedbergs zukünftige Mobilität verfolgt in allen Dimensionen das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Im sozialen Sinne ist die Mobilität fair und inklusiv, sodass alle Menschen gleichermaßen teilhaben können. Zugleich unterstützt sie im ökologischen Sinne die klima- und gesundheitsfreundliche Entwicklung der Stadt und ist im ökonomischen Sinne wirtschaftlich und unterstützend für den Wirtschaftsstandort. Übergreifend tragen digitale, vernetzte und intelligente Lösungen zur nachhaltigen Entwicklung bei. So entsteht ein Mobilitätssystem, in dem alle Menschen ihre Ziele sicher und zuverlässig erreichen.“

Das erstellte Leitbild deckt dabei die zentralen Oberthemen ab. Da sich einige Oberthemen überschneiden, wurden sie zum Teil zusammengefasst. Ebenfalls im Leitbild berücksichtigt wurden bestehende Ziele auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene (u. a. Klimaneutralität bis 2045). Oberthemen, die zu einem Element des Leitbildes zusammengefasst wurden, werden als Leitziele separat aufgeführt. Die Leitziele wurden auf Grundlage der Ergebnisse der Steuerungsgruppe und der gesamten Analyse entwickelt.

Aus diesem Leitbild lassen sich folgende Mobilitätsleitziele ableiten:

Sicherheit und Zuverlässigkeit erhöhen

·         Sicherheitsmängel identifizieren und Verkehrssicherheit erhöhen

            Schnelle Beseitigung von Sicherheitsmängeln und Schaffung sicherer Wege.

·         Schulmobilität sicher und zuverlässig gestalten

            Kindern und Jugendlichen einen geschützten, verlässlichen Weg zur Schule zu gewährleisten.

·         Zuverlässigkeit im öffentlichen Verkehr verbessern

Verlässliche Verbindungen für alle Ortsteile sicherzustellen.

·         Angsträume identifizieren und abbauen

Unsichere Orte sichtbar machen und durch geeignete Maßnahmen ein sicheres Umfeld schaffen.

Faire und inklusive Mobilität ermöglichen

·         Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmenden ermöglichen

Ziel ist es, allen Verkehrsteilnehmenden unabhängig von Verkehrsmittel oder Mobilitätsform gleiche Chancen und Rechte zu gewährleisten.

·         Barrierefreiheit gewährlisten

Allen Menschen unabhängig von körperlichen Einschränkungen uneingeschränkten Zugang und Nutzung der Infrastruktur ermöglichen.

·         Sicheres, durchgängiges Radverkehrsnetz aufbauen

Komfortables, sicheres und ununterbrochenes Radfahren für Ortsteile und für die Innenstadt ermöglichen.

·         Sicheres, durchgängiges Fußwegenetz gestalten

      Komfortable, barrierefreie, sichere und verlässliche Fußwegeverbindungen im

      Stadtgebietes schaffen.

·         Raum für Partizipation schaffen

Allen Menschen die aktive Mitgestaltung und Beteiligung an Entscheidungsprozessen ermöglichen.

Wirtschaftlichkeit garantieren

·         Gesamtgesellschaftliche Nutzen-Kosten-Verhältnisse betrachten

Kosten und Nutzen von Maßnahmen für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft werden ganzheitlich bewertet.

Wirtschaftsstandort unterstützen

·         Erreichbarkeit der Innenstadt sichern

            Eine gute Anbindung der Innenstadt für alle Verkehrsarten ermöglichen.

·         Erreichbarkeit von Arbeitsstandorten verbessern

            Eine gute Anbindung der Arbeitsstandorte für alle Verkehrsarten ermöglichen.

·         Betriebliche Mobilität verbessern

            Arbeitswege und Dienstfahrten effizienter, nachhaltiger und mitarbeiterfreundlicher gestalten.

Digitalität, intelligente Verkehrssysteme und Vernetzung fördern

·         Mobilitätsangebote vernetzen

Verschiedene Verkehrsmittel (ÖPNV, Leihfahrräder, usw.) intelligent verbinden und nahtlose Übergänge ermöglichen.

·         Digitale intermodale Auskunftsplattform integrieren

Alle Verkehrsmittel zentral vernetzen, um unkompliziert nutzerfreundliche Informationen bereitzustellen.

·         Ruhenden Verkehr lenken

Den Parksuchverkehr bereits vor der Stadt zu den freien Parkplätzen leiten.

·         Sharing-Angebote schaffen

Alternative Verkehrsformen wie Bikesharing, Lastenradsharing und Carsharing im Stadtbild etablieren.

·         Bekanntheit neuer Mobilitätsangebote steigern

Bewerben von Sharing-Angeboten, Mitfahrbänken und Möglichkeiten zum Fahrradparken durch Werbeaktionen beispielsweise auf den Kommunikationskanälen der Stadt.

Zur Klima- und Gesundheitsfreundlichkeit beitragen

·         Verkehrsbedingte Treibhausgasemissionen minimieren

Reduzierung der Treibhausgasemissionen durch eine Verlagerung des Modal Split und E-Mobilität

·         Verkehrsbedingte Lärm- und Schadstoffemissionen minimieren

Belastungen für Gesundheit und Umwelt durch leisere und saubere Mobilität zu verringern.

·         E-Mobilität fördern

Schaffung eine E-Mobilitätsinfrastruktur 

·         Aktive Mobilität fördern

Fuß- und Radverkehr stärken

Klimarelevante Anpassung des öffentlichen Raumes unterstützen

Städte und Plätze widerstandsfähig und umweltfreundlich zu gestalten.

Ausblick:

Auf Grundlage des Leitbildes werden geeignete Indikatoren zur Messung der Zielerreichung festgelegt und Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität gemäß den definierten Mobilitätszielen entwickelt. Diese Maßnahmen werden im zweiten Treffen mit der Steuerungsgruppe am 22.04.2026 abgestimmt.


Finanzielle Auswirkungen:

JA

X

NEIN

Haushaltsjahr

Ergebnishaushalt

Finanzhaushalt

Produkt

Kostenstelle

Investitionsnummer

Sachkonto

Einnahme oder

Ertrag

Ausgabe oder Aufwendung

Die Mittel stehen im Haushalt zur Verfügung

JA

NEIN

Überplanmäßige und außerplanmäßige Aufwendungen und Auszahlungen (§100 HGO)

Deckungsvorschlag

Friedberg (Hessen), den

Haushaltsjahr

Kostenstelle

Sachkonto

Produkt

Investitionsnummer

( Unterschrift FB Finanzen)